BUNDjugend  

Decluttering, Marie Kondo, Capsuled Wardrobe – Kira macht sich Gedanken, was Minimaismus wirklich bedeutet

“Brauche ich das wirklich?”

Das ist die Frage, welche immer gestellt wird, sobald man sich mit dem Ausmisten von Gegenständen befasst.
In einer Suchmaschine werden mir 97.300.000 Ergebnisse für das Wort ‚minimalism‘ vorgeschlagen. Aufräumvideos, Podcasts, Gruppenchats, Foren, Roomtours, die besten Hacks und Tipps findet man überall im Netz.
Das Ziel des Ganzen: Mehr Ordnung, mehr Raum, mehr Freiheit und auch mehr Zeit.
Jahrelang beschäftige ich mich nun schon mit Aufräumen und auch Minimalismus. Mein großes Ziel war/ist: Leben aus dem Rucksack. Ich beschäftige mich unfassbar gerne mit dem Organisieren und Räumen. Das ist meine Leidenschaft.

Dann traf ich auf das Konzept „Capsuled Wardrobe“

Der Inhalt deines Kleiderschrankes soll dabei so transformiert werden, dass „am Ende nur eine bestimmte Anzahl an Kleidungsstücken übrig bleibt, die gefallen und gut kombinierbar sind“ (Utopia o.J.).
Meistens ist eine solche Wardrobe in vier Jahreszeiten aufgeteilt. Pro Jahreszeit hat man beispielsweise 37 Teile. Es finden sich jedoch auch ‚Minimalisten‘, welche 10 Kleidungsstücke pro Saison propagieren.
Das Aussuchen, Kombinieren und Konzipieren scheint eine Wissenschaft für sich zu sein.
Du sollst mehr über dich und deine Ziele, deine Interessen dabei herausfinden: Bist du mehr so der Typ aubergine, zitrusfrisch oder ultramarinblau?
Neben Stylistas gibt es heute Aufräumcoaches, die dir helfen, genau das rauszufinden. Brauche ich das wirklich? ⁃ Nein.

Minimalismus als neue Branche?!

Minimalismus versprach mir einst mehr Zeit und Raum für meine Interessen, meine Ziele und meine Entspannung. Mehr Zeit für Freunde, mehr Flexibilität, mehr Raum für Kreativität.
Wenn ich mir jedoch so viel Gedanken über meinen Kleiderschrank mache, habe ich dann mehr Zeit gewonnen? Kommt am Ende ein Plus raus? Wann ist das Endstadium erreicht?

Kleidung kann dich unterstreichen, kann dich zum Ausdruck bringen, Kleidung kann deine Kreativität anregen. Kleidung kann mutig sein. Und manchmal ist Kleidung unpraktisch und passt nicht in den Rest deines Kleiderschrankes. Vielleicht bist du Typ rosa, aber hey – lass dir bloß nicht propagieren, dass das gelbe Shirt, welches du so liebst, unnötig sei, da es nicht in dein „Kleiderschrankkonzept“ passt.

Das ist kein Minimalismus. Das ist eine neue Branche, die dir, wie jede andere Verkaufsbranche auch, mehr Zufriedenheit und Glück versprechen will, um damit Geld zu verdienen.