Tour de Moor
Diesen Sommer haben wir uns auf unsere Fahrräder geschwungen und gemeinsam die Vielfalt von Mooren zwischen Augustfehn und Oldenburg erkundet.
Wir tauchten ein in die Geschichte des Torfabbaus und der Moornutzung. Wir erlebten Pflanzen und Tiere im renaturierten Moor. Wir erfuhren mehr über Moorschutz, Proteste gegen den Bau der A20 und Paludikultur. Wie es war, berichten euch die beiden Teilnehmerinnen Annika und Pauline.
Es geht los
Mit gepackten Satteltaschen und voller Vorfreude (und einer kleinen Portion Aufregung) haben wir uns am Mittwoch (den 05.08.) auf den Weg zum Bahnhof Oldenburg gemacht. Im Zug angekommen haben wir die anderen Teilnehmenden aus Göttingen, Hannover und Braunschweig getroffen. In Augustfehn haben wir eine kurze Kennlernrunde gemacht, einen Eindruck davon bekommen, mit wem wir die nächsten Tage unterwegs sein werden und dann gings auch schon los zu unserem ersten Stopp, dem Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn.
Dort hat uns die Moorbegeisterte Museumsführerin einiges zum Aufbau von einem Moor und die Geschichte des Torfabbaus erzählt. Das Hochmoor entsteht durch Torfmoose, welche nur durch „Himmelwasser“ bewässert werden und sehr nährstoffarm sind. Diese Torfmoose wachsen durchgängig weiter, die unteren Wurzeln sterben ab, bilden den Torf und der untere Teil der Pflanze wird zu den neuen Wurzeln. Dies ist ein sehr langsamer Prozess. Pro Jahr wächst ein Moor um etwa einen Millimeter in die Höhe.
Unser Highlight war das angelegte Moorbecken, wo wir den Moorboden barfuß erleben durften.
Anschließend ging es weiter zum Torfwerk Ramsloh, wo wir kostenlos übernachten durften. (Fun Fact: das Gebäude war eine ehemalige Strafanstalt und als direkte Nachbarn hatten wir zum einen die Moorbahn sowie drei Pferde).
Besuch Torfwerk und Gedenkstätte
Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht ging es am nächsten Morgen mit einem Vortrag von Ludgar Thedering über den Torfabbau weiter. Dabei haben wir gelernt, dass Torf vor allem für den industriellen Pflanzenanbau als sehr keimfreies Substrat verwendet wird und schwer zu ersetzen sein soll.
Das Highlight war die anschließende Fahrt mit der Moorbahn ins Moor, angefangen mit einem kurzen Schreck als beim Rausholen ein Waggon entgleist ist. Das Problem war schnell behoben und dann gings im rasanten Tempo, zum Teil mit Hündin als alleinige Lockführerin, ins Moor. Zuerst haben wir die renaturierten Moorflächen gesehen, welche sehr idyllisch aussahen. Das anschließende Feld zum Torfabbau sah hingegen eher trostlos und traurig aus.
Bei kurzen Stopps haben wir unseren ersten Sonnentau gesehen, eine fleischfressende Pflanze, welche ihre Nährstoffe über die gefangenen Insekten bekommt. Ein Teil der Gruppe ist dann auf eine renaturierte Fläche mit Torfmoosen gelaufen. Danach gab es noch einen kleinen Beitrag zu Torfalternativen von Silke.
Nach einem kurzen Mittagessen sind wir zur Gedenkstätte Esterwegen gefahren, in der wir viel über die Moorsoldaten (die NZ-Häftlinge, die in den Mooren arbeiten mussten) gelernt haben. Weiter gings mit einer schönen Radstrecke am Küstenkanal zur Unterkunft, dem „Haus der Begegnung“ in Kamp.
Moorexkursionen mit Susanne
Frisch gestärkt und ausgeschlafen fuhren wir am nächsten Tag weiter zu Matthias von der Interessengemeinschaft Vehnemoor, wo wir herzlich empfangen wurden. Mit ihm und Susanne vom BUND Ammerland haben wir uns einen kleinen Teil des Vehnemoors angeschaut, welches seit 20 Jahren wieder vernässt ist und unter Naturschutz steht. Nur noch ein kleiner Teil wird abgetorft, Ende diesen Jahres ist damit aber auch Schluss. Anschließend sind wir zusammen mit Susanne und später auch Uwe Riegel (ehemaliger Biologielehrer) zu ganz vielen verschiedenen Mooren gefahren. Am Ende des Tages ging es nach Bad Zwischenahn, wo wir bei Holger Konrad, Leiter eines Baumschulenbetriebs, gegrillt haben. Das Essen wurde von Mitgliedern des BUND-Ammerland vorbereitet und hat köstlich geschmeckt. Ein Großer Dank an die beiden!
Über Paludikultur
Am nächsten Tag haben wir von Holger dann ausführlich gelernt, dass man eine Baumschule auch erfolgreich ohne Torf führen und wie man Moore, auch ohne sie zu schädigen, nutzen kann. Er brachte uns anhand seiner Projekte also das Kozept der Paludikultur näher. Dabei haben wir uns unter anderem das Große Engelsmeer bei Bad Zwischenahn angeschaut, ein sehr kleines Naturschutzgebiet in Niedersachsen.
Nach einer sehr sandigen Fahrradstrecke haben wir Jana Packmoor von der Uni Oldenburg beim Hankhauser Moor getroffen. Sie hat uns die Paludikultur der Uni Oldenburg und Uni Greifswald gezeigt und erklärt, wie sie daran forschen, Torfmoose so anzubauen, dass sie den Torf aus den Mooren in Pflanzensubstraten ersetzen können. Anschließend durften wir sogar mit Schneeschuhen über das Moor gehen.
Eine Moor-Demo zum Abschluss
Am letzten Tag der Tour veranstalteten wir eine Moor-Demonstration in Oldenburg. Wir demonstrierten dort für die konsequente Wiedervernässung von Mooren, der Förderung nachhaltiger Moorprojekte, sowie gegen die Zerstörung von Moorflächen für Infrastrukturprojekte wie dem Ausbau der A20. Bestückt mit Fahnen an den Fahrrädern und Schildern an uns begann unsere Demo-Route am Rathausmarktplatz und führte uns vom Landesmuseum, dem OLG zum Eversten Holz und schließlich zum botanischen Garten, wo unsere Demo endete. Teilnehmerinnen der Tour sowie ein weiterer Gast hielten zudem Reden über unsere die Tour und die umweltrechtliche Situation in Deutschland.
Nach der Demonstration endete, nach einer kurzen Abschlussrunde, auch unsere Tour.
Insgesamt hatten wir eine sehr schöne und lehrreiche Fahrradtour mit vielen unterschiedlichen Perspektiven zum Thema Moor und Torfabbau. Wir sind uns aber alle einig, dass der Torfabbau keine Zukunft hat, wenn unsere Moore eine Zukunft haben sollen.
Gefördert wurde die Veranstaltung durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung im Rahmen des Projektes „aMOORe“.