„Weihnachtsbäume aus dem Moor“ 2025
Im Dezember 2025 haben wir wieder Moorkiefern entkusselt und in Hannover als nachhaltige Weihnachtsbäume verteilt. Hier findest du einen kleinen Bericht von unserer FÖJi Alicia, die zum ersten Mal bei einem Moorschutz-Einsatz dabei war.
Im Moor gibt’s was zu tun
Ein spannender Tag im Moor: Rund 40 Menschen im Alter von 5 bis über 60 Jahren hatten sich unter professioneller Anleitung von Heiko von der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer e. V. (ÖSSM) versammelt, um gemeinsam junge Kiefern aus dem Moor zu entfernen.
Für mich war es der erste Moor-Einsatz, dementsprechend war ich sehr gespannt, was uns erwarten würde. Zu Beginn stand ich vor einer regelrechten Wand aus Bäumen und fragte mich: „Wo fängt man hier eigentlich an?“
Diese Frage erledigte sich jedoch schnell. Mit Handsägen und Astscheren stürzten sich alle auf die Kiefern und arbeiteten konzentriert zusammen. Uns wurde erklärt, dass es ausreicht, die Bäume unterhalb des letzten lebenden Astes abzuschneiden. Die Wurzeln konnten im Boden bleiben, da sie so keine neuen Triebe mehr bilden – das hat uns die Arbeit ganz schön erleichtert. Schon nach kurzer Zeit wurde sichtbar, wie viel man gemeinsam erreichen kann: Die Fläche wurde Stück für Stück immer freier, bis sie am Ende kaum wiederzuerkennen war. Als Belohnung öffnete sich ein weiter Blick über das Stückchen Moor.
Insgesamt konnten wir an die 300 Kiefern entfernen, doch bei 200 Bäumen waren unsere drei Anhänger voll. Die Arbeit war körperlich anstrengend, besonders bei der Kälte, aber gleichzeitig machte sie richtig Spaß. Vor allem, als man sich einen Moment genommen hat und gesehen hat, was wir gemeinsam geschafft haben.
Warum machen wir das?
An dieser Stelle fragt ihr euch vielleicht jetzt: „Warum ist es aber so toll Bäume zu fällen?“– schließlich ist es doch normalerweise unser Ziel, Bäume zu schützen und neu zu pflanzen, statt zu fällen. Im Moor ist die Situation jedoch eine andere: Kiefern sind hier echte Problemverursacher. Ihre Wurzeln durchdringen den Torf und entziehen ihm große Mengen Wasser, wodurch das Moor austrocknet. Gleichzeitig nehmen sie den lichtliebenden Moorpflanzen das Sonnenlicht und verdrängen diese. Trocknet ein Moor aus, gelangt Sauerstoff an den Torf, der sich zersetzt und große Mengen Kohlenstoffdioxid freisetzt. Dabei sind intakte Moore eigentlich wichtige CO₂-Speicher.
Umso schöner war es, dass die Aktion nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch nachhaltig war. Die entfernten Kiefern wurden nicht entsorgt, sondern als Weihnachtsbäume weiterverwendet. So schaffen wir eine ökologische Alternative zu konventionellen Weihnachtsbäumen, die häufig überdüngt und pestizid-belastet von Plantagen kommen. Das haben wir einen Tag später, am Freizeitheim Vahrenwald, in Hannover, gemacht.
Verteilung der Bäume in Vahrenwald
Beim Verteilen der Bäume am Freizeitheim Vahrenwald entstand eine richtig schöne, offene Atmosphäre. Es waren viele Helfer*innen und Interessierte da und so ergaben sich viele Gelegenheiten für Gespräche. Zusätzlich zu den Weihnachtsbäumen hatten die Ehrenamtlichen einen Basteltisch für Kinder, frisch gebackene Waffeln, ein Moor-Glücksrad und einen Infostand vorbereitet. Schon kurz nach Beginn gab es einen regelrechten Ansturm auf die Bäume und die Begeisterung der Menschen war deutlich zu spüren. Besonders schön war es zu sehen, wie die Bäume ein zweites Leben bekamen – manche Besucher*innen suchten sich ganz bewusst einen besonders krummen oder ungewöhnlichen Baum aus. Am Ende fanden alle 200 Weihnachtsbäume ein neues Zuhause.
Für mich persönlich war diese Aktion eine großartige Erfahrung. Ich habe viel über Moore und Moorschutz gelernt, neue Menschen kennengelernt und erlebt, wie gut Zusammenarbeit auch unter Menschen funktioniert, die sich vorher nicht kannten. Es war anstrengend, aber gleichzeitig sehr schön!
Habt ihr nun vielleicht auch Lust, nächstes Jahr einen Weihnachtsbaum aus dem Moor zu haben oder sogar selbst bei einer Entkusselung mitzuhelfen? Dann seid gerne bei einer unserer nächsten Aktionen dabei!
Vielen Dank an alle die bei dieser Aktion mitgeholfen haben: Der Moorschutzeinsatz wurde von Heiko Köster von der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer e. V. (ÖSSM) angeleitet, die NAJU Niedersachsen hat uns u.a. mit frisch gebackenen Waffeln beglückt, Wennigsen for Future hatte ein tolles Moor-Glücksrad am Start, das Freizeitheim Vahrenwald hat uns sein tolles Gelände und eine Teeküche für’s Erwärmen des Kinderpunsches zur Verfügung gestellt und die BUNDjugend Hannover hat unser neues Moor-Kinderbuch verteilt. Ein ganz großer Dank gilt auch allen Freiwillligen, die die Bäume entkusselt und bei der Verteilung geholfen haben!
Förderung: Die Aktion wurde im Rahmen unseres Projektes „aMOORe“ durchgeführt, welches durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung gefördert wird.