How to „Weihnachtsbäume aus dem Moor“
Möchtet ihr einen direkten Beitrag zum Moor-Klimaschutz leisten und zugleich andere Menschen über die Bedeutung von Mooren informieren? Dann ist die Aktion „Weihnachtsbäume aus dem Moor“ vielleicht eine passende Idee! Wir erklären euch hier, was dahinter steckt, was zu beachten ist und geben euch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zu eurer eigenen Aktion. Viel Erfolg!
Warum die Aktion so toll ist
Intakte Moore sind der beste natürliche Kohlenstoff-Speicher den wir haben und daher zentral für den Klimaschutz. Zugleich sind sie Lebensraum für viele spezialisierte und bedrohte Tiere und Pflanzen.
Doch diese wertvollen Ökosysteme sind bedroht: Durch Entwässerung und unnatürlich hohe Nährstoffeinträge aus der Luft wachsen viele Moore zu. Die jungen Bäume entziehen dem Moor weiter Wasser, wodurch der Torfkörper zersetzt wird und Treibhausgase in die Luft abgegeben werden. Bei einem Moorschutz-Einsatz wird der aufkommende Bewuchs entfernt, d.h. entkusselt, damit er dem Moor nicht weiter Wasser entzieht und die Fläche freigehalten wird.
Die Aktion „Weihnachtsbäume“ aus dem Moor verbindet praktischen Moorschutz mit kreativer Aufklärung über die Bedeutung von Mooren.
In Kürze: Was ihr für die Aktion benötigt
- Eine geeignete Moorfläche mit ausreichend Kiefern zwischen 1-2m Höhe sowie eine Genehmigung, Arbeitswerkzeug und fachliche Anleitung für den Moorschutzeinsatz
- Einen Termin für die Aktionen: Es hat sich bewährt, die Entkusselung Mitte Dezember an einem Samstag durchzuführen und die Bäume am darauf folgenden Sonntag zu verteilen.
- Helfer*innen beim Entkusseln
- ggf. Verpflegung für die Helfer*innen
- Fahrzeuge/Anhänger für den Transport der Bäume sowie ggf. der Helfer*innen
- Ideen, Material und Helfer*innen für einen kreativen Aktionsstand rund um die Verteilung der Bäume
- Öffentlichkeitsarbeit für eure Aktion
Was ihr wann organisiert
Möglichst früh solltet ihr…
Eine geeignete Moorfläche finden und eine Genehmigung für den Moorschutzeinsatz einholen: Für die Aktion benötigt ihr eine Moorfläche mit ausreichender Anzahl an Kiefern (1-2m Höhe). Ideal ist, wenn an die Fläche möglichst nah mit Fahrzeugen heran gefahren werden kann, damit ihr die Kiefern gut verladen könnt. Für eine erste Durchführung der Aktion empfehlen wir euch 50-100 Bäume.
Mögliche Kontaktpartner*innen für die Genehmigung, das Arbeitswerkzeug sowie die fachliche Anleitung des Arbeitseinsatzes könnten sein: lokale BUND- und NABU-Gruppen, Untere Naturschutzbehörden, Ökologische Stationen. Meldet euch dort am besten schon mehrere Monate zuvor, erklärt eure Idee und fragt, welche Möglichkeiten es gäbe. Häufig sind dies keine typischen Einsatzflächen für Moorpflege, sondern eher stärker bewachsene Moor-Randgebiete. Ihr solltet betonen, dass es euch nicht um ein ökonomisches Interesse geht; ihr verteilt die Bäume kostenlos, freut euch aber natürlich über Spenden.
Wichtig: Es ist nicht erlaubt, Kiefern „auf eigene Faust“ aus den Mooren zu holen. Bitte denkt daran, dass dies geschützte Gebiete sind, in die nur mit entsprechender naturschutzfachlicher Expertise eingegriffen werden darf.
Einen Ort für die Verteilung der Bäume finden: Ideal ist ein Ort, der für möglichst viele Abholer*innen der Bäume auch ohne Auto gut zu erreichen ist und an dem ihr die Bäume gut mit dem Anhänger abladen könnt. Für die Helfer*innen ist eine Toilette toll und für Waffeln und Kinderpunsch benötigt ihr einen Stromanschluss. Ggf. ist es auch schön, Aktionen wie Basteln und Waffeln backen (bei Regenwetter) teilweise nach drinnen verlagern zu können. Anfragen könnt ihr z.B. Stadtteilzentren, Freizeitheime, Gemeindehäuser, BUND-Umweltbüros etc. Auch eine Verteilung auf einem Weihnachtsmarkt könnte eine Idee sein, die ihr aber sehr frühzeitig probieren solltet.
Aktionsteam bilden: Wer von eurer Gruppe hat Lust, mitzumachen? Welche weiteren Gruppen könntet ihr anfragen? Kontaktiert Umwelt- und andere Gruppen in eurer Nähe. Raus aus der Bubble: Auch christliche Jugendgruppen, Feuerwehrjugend etc. könnten an eurer Aktion Interesse haben und bringen vielleicht sogar unkompliziert wichtige Ressourcen (wie Transporter/Anhänger) ein.
Einen Monat vorher
Weihnachtsbäume-Aktionsstand planen: Am besten trefft ihr euch vorab mit allen, die Lust haben die Aktion mitzugestalten. Ideen hierfür könnten z.B. sein:
- Infostand z.T. Moorschutz mit Moor-Quiz, Torfmoos zum anfassen und Spendendose
- Moor-Glücksrad mit kleinen Preisen (Moor-Sticker, Moor-Atlas, Moor-Buttons, anderes Merch)
- Waffeln/Kuchen und Kinderpunsch
- Baumschmuck basteln mit Kindern
- Geschmückten Baum aufstellen
- Info-Material zu Moorschutz verteilen (z.B. unser Kinderbuch „Unser Weihnachtsbaum es dem Moor“ oder kommende Entkusselungs-Termine in der Region)
Besprecht in eurer Gruppe auch die Zeiten für Arbeitseinsatz und Aktionsstand und verteilt Aufgaben. Beim Arbeitseinsatz solltet ihr ca. fünf Stunden einplanen, für den Aktionsstand ca. drei Stunden plus Auf- und Abbau. Tipp: Startet am Sonntag nicht zu früh in den Aufbau! Wer bei beiden Aktionen mithilft, braucht zwischendurch Zeit für Erholung.
Aktion bewerben: Lasst Menschen wissen, was ihr plant! Ihr könnt z.B. Plakate aufhängen. Gute Orte dafür sind Bibliotheken, Bäcker, Bio-Läden, Eine-Welt-Läden, Stadtteilzentren. Außerdem solltet ihr eure Aktion online mit Sharepics über eure Kanäle bewerben, um Helfer*innen für die Entkusselung und Interessierte für die Bäume zu finden. Auch Plattformen wie nebenan.de, lokale Kulturblätter oder eine Pressemitteilung in der Lokalzeitung können Wege sein, die Aktion bekannter zu machen. Die Entkusselung solltet ihr ca. einen Monat vorher bekannt machen, mit der Bewerbung der Moor-Kiefern startet ihr ab Anfang Dezember.
Anmeldungen und Baum-Reservierungen entgegennehmen: Ideal ist, wenn ihr Anmeldeformulare für den Arbeitseinsatz über eine Website einrichten könnt. Hierbei könnt ihr auch abfragen, wer vielleicht mit PKW/Transporter/Anhänger kommen könnte, um Helfer*innen und Bäume zu transportieren. Ihr könnt auch im Vorfeld Baum-Reservierungen entgegennehmen, was euch helfen kann, das Interesse vorab abzuschätzen. Dabei solltet ihr abfragen, ob sich die Reservierenden eher für kleine (1m) oder große (bis zu 2m) Bäume interessieren, aber auch deutlich machen, dass ihr nicht garantieren könnt, das das auch genau so klappt. Ihr solltet max. die Hälfte der Bäume vorab zur Reservierung freigeben, damit Menschen auch spontan noch Bäume bekommen.
Fahrzeuge reservieren: Die Aktion steht und fällt mit Transportmöglichkeiten für Bäume, Material und Helfer*innen. Daher solltet ihr frühzeitig sicherstellen, dass es hier zu keinen Engpässen kommt und bei Bedarf 9-Sitzer, Autos mit Anhängerkupplung und Anhänger mieten. Bei den Transportern/Anhängern für die Bäume könnte es sinnvoll sein, diese erst am darauffolgenden Tag zurückbringen zu müssen. So könnt ihr die Bäume über Nacht (in Absprache mit eurer Location für die Verteilung der Bäume) im Transporter liegen lassen und vormittags ausräumen. Bei vielen Anbietern könnt ihr bis zu einem bestimmten Zeitpunkt kostenfrei stornieren. Ihr könnt also schauen, ob sich unter den Angemeldeten genügend Menschen mit PKW/Anhängern etc. gibt und die Buchungen dann ggf. wieder rückgängig machen.
In den Tagen davor
Helfer*innen-Orga: Prüft in den Tagen vor der Aktion, wieviele Menschen angemeldet sind und organisiert Fahrgemeinschaften. Schickt am besten auch vorab nochmal eine Info-Mail an alle mit Treffpunkt, benötigtem Material (Gummistiefel, warmer „Zwiebel-Look“, Arbeitshandschuhe) und einer Handynummer von euch.
Verpflegung: Schön ist, wenn ihr ein paar Snacks für die Helfer*innen besorgt, z.B. heißen Tee, Brötchen, vegane Aufstriche, Rohkost, Bananen, Müsli-Riegel.
Notfallpläne im Blick haben: Plant unbedingt auch einmal durch, was ihr macht, wenn etwas schief geht. Was ist z.B., wenn die Fahrerin eures Transporters krank wird? Gibt es mehrere Personen, die den Ablauf des Tages kennen und alle Kontakte haben? Habt ihr eine 1. Hilfe-Tasche dabei? Was macht ihr, wenn es während der Verteilung der Weihnachtsbäume regnet?
Presse einladen: Nach unserer Erfahrung stößt dieses Aktionsformat auf eine gute mediale Resonanz. Informiert Journalist*innen über die Aktion. Die Verteilung der Bäume ist meist besonders spannend. Einladen solltet ihr so, dass die Presse eher zu Beginn der Aktion kommt, wenn noch viele Bäume liegen und zumeist viele Abholer*innen da sind.
Aktion „Weihnachtsbäume entkusseln“
Abgesehen vom Verladen und Transport der Bäume, ist der Tag ein normaler Arbeitseinsatz im Moor. Ihr seid vermutlich so viele Menschen, dass ihr nicht nur die Weihnachtsbäume absägt und verladet, sondern auch viele kleinere und größere Bäume entkusselt. Bestimmt werden sich viele Helfer*innen auch direkt ihren Weihnachtsbaum mitnehmen. Auch einen kleinen Haufen Kiefern-Zweige könnt ihr mitnehmen.
Folgende Aufgaben solltet ihr im Blick haben:
- Transport der Bäume: Wenn Transporter oder Anhänger ausgeliehen werden müssen, dann plant am besten ein, dass die Fahrer*innen erst später beim Arbeitseinsatz dazu kommen. Die Bäume können zunächst gestapelt werden. Auch ist es sinnvoll, zunächst zu schauen, dass ihr die Transporter mit geeigneten Bäumen befüllt und danach weiteren Aufwuchs entkusselt. (Bäume zählen nicht vergessen!) So können die Fahrer*innen schon früher wieder fahren. Auch das Ausleihen, die Rückfahrt und das Einparken und Abstellen der Transporter kann einiges an Zeit in Anspruch nehmen.
- Helfer*innen-Orga: Es wird ganz bestimmt kurzfristige Änderungen und Probleme geben. Menschen werden sich verfahren, in verspäteten Bahnen sitzen, krank werden… Stellt sicher, dass ihr von allen Helfer*innen eine Handynummer habt und selbst auch erreichbar seid. Hierfür kann es sinnvoll sein, eine Signal-Gruppe einzurichten, in der mindestens das Orga-Team, besser noch möglichst viele weitere Helfer*innen sind.
- Kennenlernen, Spiele und Moor-Input: Es könnte eine schöne Idee sein, eine Kennenlernrunde zu machen und dabei z.B. auch zu erfahren, wer schonmal bei einer Entkusselung dabei war und welche Motivation die Helfer*innen haben, sich für Moore stark zu machen. Auch für die Vermittlung einiger Moor-Kenntnisse und vielleicht ein kleines Spiel rund um Moorschutz ist bestimmt Zeit da. Mit einer Abschlussrunde könnt ihr Feedback einholen, euch bedanken und vielleicht noch ein paar Moor-Sticker o.ä. verteilen.
- Verpflegung: Auf einem Tarp, Sitzmatten oder ein paar wasserdichten Decken könnt ihr um die Mittagszeit ein kleines Picknick aufbauen. Denkt daran, dass ihr den Teilnehmenden entweder Bescheid gebt, dass sie Geschirr und Besteck mitbringen oder selbst genug für alle dabei habt.
- Fotos und Social Media: Zeigt, was ihr tut und wie viel Spaß Moorschutz macht! Auch hier ist es sinnvoll, wenn 1-2 Personen die feste Rolle übernehmen, während der Aktion zu fotografieren, zu filmen oder ein paar Stories auf Social Media zu stellen. Dafür ist es wichtig, dass ihr die Einverständnis der Helfer*innen einholt bzw. nur diejenigen abbildet, die das auch möchten.
Aktionsstand „Weihnachtsbäume aus dem Moor“
Die Aufgaben für den Aktionsstand solltet ihr im Vorfeld klar und möglichst detailliert verteilen: Wer macht die Muffins, wer hat die Liste mit den reservierten Bäumen, etc. Denn wenn die Interessierten erst einmal kommen und möglicherweise sogar Presse auftaucht, wird es schnell wuselig.
Welche Aufgaben es konkret gibt, hängt davon ab, was ihr euch rund um die Verteilung der Bäume überlegt habt. Folgende Tipps können wir euch aber geben:
- Baum-Reservierungen: Legt reservierte Bäume auf einen eigenen Haufen, damit nicht plötzlich alle weg sind. Habt eine Liste mit den Reservierungen ausgedruckt dabei und hakt ab, wenn, Bäume abgeholt wurden. Ihr solltet die Abholer*innen bitten, die Bäume bis eine Stunde vor Ende der Aktion abgeholt zu haben. So könnt ihr restliche Bäume noch verteilen.
- Sprecht die Menschen aktiv an: Auch zufällig vorbeikommende Passant*innen könnten sich für die Bäume interessieren und haben vorher vielleicht noch gar nicht von der Bedeutung von Mooren gehört. – Umso wertvoller ist dann eure Aufklärungsarbeit. Ladet Abholer*innen ein, noch zu bleiben, eine Waffel zu essen etc. Kommt miteinander ins Gespräch und gebt Infos zu Moorschutz mit. Viele werden auch direkt wieder gehen (müssen), doch ihr werdet bestimmt viele schöne Gespräche führen.
- Habt eine große Spendendose dabei und behaltet diese im Blick. Ihr gebt die Bäume zwar kostenfrei ab, aber viele Menschen werden bei der Gelegenheit gern etwas spenden wollen.
- Macht auch hier Fotos und Social Media. Dabei solltet ihr Abholer*innen so fotografieren, dass Gesichter nicht erkennbar sind und im Zweifel nachfragen.
- Es kann gut sein, dass jemand von der Presse vorbei kommt. Mindestens eine Person sollte sich vorbereitet haben und Fragen beantworten können: Warum macht ihr die Aktion? Welche Bedeutung haben Moore für Klimaschutz und Biodiversität? Wie viele Helfer*innen seid ihr? Wie viele Bäume verteilt ihr? Achtet darauf, dass die Presse den Namen eurer Gruppe und euren eigenen Namen korrekt notiert. Falls Journalist*innen erst spät kommen und es kaum noch Bäume und Abholer*innen für gute Fotos gibt, könnt ihr anbieten, dass ihr unmittelbar(!) nach der Aktion Fotos schickt. Dafür müsst ihr dann aber schnell sein, denn die Presse hat es immer eilig. ;D
Viel Spaß bei der Aktion!
Fragen? Unterstützungsbedarf?
Ihr möchtet eine Aktion „Weihnachtsbäume aus dem Moor“ machen, habt aber noch Fragen und/oder wünscht euch Beratung und Unterstützung? Dann meldet euch gern bei uns!