How to: Farben aus Pflanzen herstellen
Wir zeigen dir, wie du aus Pflanzen und natürlichen Zutaten erstaunlich vielfältige Farbtöne selbst herstellen kannst. Farben aus Pflanzen herzustellen – und später damit zu malen und zu färben – ist eine tolle Möglichkeit, deine Artenkenntnisse zu erweitern. Die kreative und handwerkliche Tätigkeit ermöglicht einen persönlichen Bezug zur Natur und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Und es macht einfach Spaß!
Welche Pflanzen eignen sich?
Grundsätzlich gibt es sehr viele Pflanzen, aus denen du Farben gewinnen kannst, z.B. Rote Beete, Kurkuma und Spinat. Da viele dieser Pflanzen essbar sind, kannst du sie z.B. auch für die Herstellung von Lebensmittelfarben oder Kinderschminke verwenden.
Ein großer Nachteil vieler Farben aus Pflanzen ist allerdings, dass sie ihre Leuchtkraft nach einigen Tagen oder Wochen verlieren und somit kein gutes dauerhaftes Ergebnis bieten.
Dauerhaftere Ergebnisser erzielst du zum Beispiel mit diesen Pflanzen:
- Rainfarn (eine heimische, insektenfreundliche Wildstaude) ergibt gelbliche, braune und grüne Farbtöne
- Kanadische Goldrute (in Deutschland ein sich ausbreitender, d.h. invasiver Neophyt) ergibt goldgelbe bis olivgrüne Farbtöne
- Schwarze Stockrose (traditionelle Färber-Kulturpflanze in Bauerngärten, ursprünglich vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum) ergibt violette, pinke und grüne bis dunkelgrüne Farbtöne
- Echtes Johanniskraut (heimische, insektenfreundliche Heil- und Gartenpflanze) ergibt sonnengelbe bis grünlich-braune Farbtöne
Es gibt noch viele weitere Färberpflanzen.
Woher bekomme ich die Pflanzen?
Viele Pflanzen kannst du direkt im Garten oder in der umgebenden Natur finden und ernten. Nimm nur so viel, wie du benötigst und lasse immer mindestens die Hälfte der Pflanze stehen, damit sie sich erholen kann und genug für andere Tiere und Menschen bleibt. Beschädige die Pflanze nicht und schau, ob du der Natur als Gegengeschenk etwas Gutes tun kannst, zum Beispiel bewässern, Müll aus der Umgebung entfernen etc.
Etwas anders sieht es bei invasiven Neophyten aus, wie der Kanadischen Goldrute. Hier ist es sinnvoll, die ganze Pflanze mit Wurzeln zu entfernen und über den Restmüll(!) zu entsorgen. Ein Gegengeschenk an die Natur kann hier sein, stattdessen heimische Pflanzen zu säen.
Eine andere Möglichkeit ist, Pflanzen getrocknet zu kaufen. Hier solltest du möglichst den lokalen Handel unterstützen und z.B. bei Kräuter- und Teeläden nachfragen. (Schwarze Stockrose erhältst du z.B. in Hannover bei Lindenblüte.)
Benötigtes Material
- Frische oder getrocknete Färberpflanzen (90 Gramm pro Pflanze)
- Digital-Waage
- Glas-Messbecher, gerne mehrere
- Töpfe in der Anzahl der Pflanzen
- Wasser
- Herd oder Feuerstelle mit Kochgestell (sowie Grillkohle, feuerfeste Handschuhe, Grillanzünder, Feuerzeug)
- Kellen und Rührlöffel
- Braten-Thermometer (gerne mehrere)
- Putzhandschuhe
- Baumwoll-Wäschenetze in der Anzahl der verwendete Pflanzen oder feines Kochsieb
- kleine Schraubgläser und für Tinte ggf. Glas-Pipetten (sechsmal so viele, wie du Pflanzen verwendest, z.B. bei vier Pflanzen 24 Gläser)
- Gummi arabicum als Pulver
- Traganth oder Maisstärke
- Milchaufschäumer
- Mini-Schneebesen
- Soda und Zitronensäure
- Nelkenöl (alternativ Rosmarinöl, Lavendelöl) zum Halt
- Lappen, Spülmittel etc. zum Reinigen der Töpfe
- Zum malen: Aquarellpapier, Leinwand, Pinsel, ggf. Schämme
Anleitung
- Stelle den Topf auf den Herd oder über eine gut durchhitzte Glut aus Grillkohle und fülle ca. 1200 ml Wasser hinein.
- Füge nun ca. 90 g Pflanzenteil hinzu und rühre mit einem Rührbesen um, damit die Blüten schnell Flüssigkeit aufaugen (= Sud). Achtung: Hölzerne Pflanzen über Nach einlegen!
- Füge nun ca. 90 g Pflanzenteil hinzu und rühre mit einem Rührbesen um, damit die Blüten schnell Flüssigkeit aufaugen (= Sud). Achtung: Hölzerne Pflanzen über Nach einlegen!
- Sobald der Sud die Temperatur erreicht hat, muss er auf dieser Temperatur min. 45 min. sieden.
- Während die Flüssigkeit auf dem Herd ist, bereitest du Glasgefäße vor, indem du sie beschriftest und mit dem jeweiligen Stoffen befüllst:
- “Pflanze” Basisfarbe – Tinte
- “Pflanze” + Soda – Tinte (1/4 Teelöffel) – Achtung – bei zu viel Soda stinkt es nach Fisch!
- “Pflanze” + Zitronensäure – Tinte (1/4 Teelöffel)
- “Pflanze” Basisfarbe – Malpaste
- Pflanze” + Soda – Malpaste (1/4 Teelöffel) – Achtung – bei zu viel Soda stinkt es nach Fisch!
- “Pflanze” + Zitronensäure – Malpaste (1/4 Teelöffel)
- Nach 45 min. sollte der Sud fertig sein. Erstelle ein Filter: Lege dazu z.B. ein Passiertuch in ein Sieb auf einen Messbecher. Nun gießt du den Sud vorsichtig durch den Filter, z.B. ein Wäschenetz. Drücke die Pflanzenteile aus, um möglichst viel Sud raus zu bekommen.
- Säubere den Topf. Gieße den Sud in den Topf. Die eine Hälfte der Flüssigkeit ist für die Tinte, die andere für die Paste (50:50).
- Tinte: Ergänze ½ TL des Binders (Gummi arabicum) und rühre solange, bis er sich vollständig aufgelöst hat. Ergänze einen Pipettentropfen Nelken-/Lavendel- oder Rosmarinöl, damit die Farbe etwas haltbarer wird. Befülle nun die vorbereiteten Gefäße mit der hergestellten Pflanzentinte, fertig.
- Malpaste: Ergänze ca. ½ TL des Binders (Traganth oder Maisstärke) auf 100 ml. Bei 600 ml Sud, wären es 3 TL. Die Viskosität (als Zähflüssigkeit -Dick- oder/Dünnflüssigkeit) ist bei jeder Pflanze unterschiedlich. Gebe den Binder also Schritt für Schritt. Die Paste wird mit einem Milchaufschäumer verrührt bis keine weißen Bröckchen mehr zu sehen sind. Anmekerung: Die Paste kann auch später noch fester gemacht werden, nur verdünnen wird die Fabrintensität beeinflussen. Befülle nun die vorbereiteten Gefäße mit der Malpaste, ggf. nochmal mit Milchaufschäumer verrühren.
Jetzt wird gemalt!
Diese Farben können verwendet werden, um z.B. mit Tinte auf Aquarellpapier oder mit Malpaste auf Leinwand zu malen. Wenn du eine Gruppenaktion machst, denke daran, dass die Kunstwerke auch noch trocknen müssen.
Aus der Leinwand kannst du übrigens auch noch einen tollen Stoff-Fächer basteln.
Hinweis: Mit den beschriebenen Pflanzen kannst du auch Kleidung und andere Stoffe färben. Damit die Stoffe anschließend waschecht sind, musst du sie allerdings zunächst beizen. Die dafür verwendeten Töpfe kannst du anschließend nicht mehr zum kochen von Lebensmitteln verwenden.